FLUCHTRAUM ÖSTERREICH

Fluchtraum Österreich 2015 - Lea Soltau


Fluchtraum Österreich ist ein Forschungs- und Lehrprojekt über Raumstrukturen und Grenzen, die um Asylsuchende in Österreich entstehen und gebaut werden. Ziel des Projektes ist das Schaffen einer neuen Sichtweise auf Zustände der Flucht und des Wartens, der reglementierten Raumnutzung von AsylwerberInnen sowie der Rolle, welche Architektur und gebauter politischer Raum in diesem Zusammenhang spielen. Das Forschungsprojekt stellt eine dringend notwendige Recherchebasis für räumliche Planer als aktive Teilnehmer im Bereich Asyl und Gastfreundschaft bereit und soll Geflüchteten im Asylverfahren, Flüchtlingshilfsorganisationen (NGOs), Anbieter von Asylwerberunterküfnten und politischen Entscheidungsträgern als Hilfe, Arbeits- und Argumentationsgrundlage dienen.
Basierend auf alarmierenden Missständen in Asylwerberunterkünften, die innerhalb unserer dreijährigen Forschungstätigkeit dokumentiert wurden, erstellen wir derzeit eine Publikation mit sechs Forderungen an das österreichische Asylsystem und die politischen Entscheidungsträger um ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Ankommen zu garantieren.
Fluchtraum Österreich wurde von Nina Kolowratnik und Johannes Pointl initiiert, zwischen 2014 und 2017 an der Abteilung für Gebäudelehre und Entwerfen, TU Wien, erarbeitet und durch die EXCITE Initiative der Fakultät für Architektur, TU Wien, gefördert. Seid 2018 wird das Projekt von Nina Kolowratnik und Johannes Pointl als unabhängige Plattform weitergeführt.


2018 – Forderungskatalog für selbstbestimmte Räume des Ankommens
- Inhalt
Diese Publikation stellt sechs Forderungen an das österreichische Asylsystem und die politischen Entscheidungsträger um ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Ankommen zu garantieren. Fluchtraum Österreich 2018


2017 – Haus Favorita – Towards an Architecture of Hospitality
- Inhalt
Die Idee der Unterbringung von Menschen auf der Flucht in touristischen Beherbergungsbetrieben erscheint auf den ersten Blick einleuchtend. In Österreich ist diese Form der Unterbringung von Asylsuchenden nichts Neues, sie verfügt über eine sechzigjährige Geschichte, in der phasenweise bis zu 95 Prozent der AsylwerberInnen in Unterkünften unterschiedlicher Größe und Typologie untergebracht wurden, und ist Symbol einer nationalen Asylpolitik, die Räume der Flucht als kurzzeitig auftretende Phänomene behandelt. Towards an Architecture of Hospitality stellt der gegenwärtigen Umnutzungs-Praxis von abgewirtschafteten Tourismusbetrieben Entwürfe für neue Gebäudetypologien gegenüber, die selbstbestimmte Wohnformen und ein Ankommen ermöglichen. Basierend auf einer vor-Ort-Recherche in Hotels, die zur Zeit als Asylwerberunterkünfte genutzt werden, entwickelt sich der Entwurfsprozess aus der Analyse von Ankommens- und Aneigungspraktiken von AsylwerberInnen, sowie deren subversiven Taktiken zur Navigation von Regeln die Raumnutzung vorgeben. Am Standort Asylwerberunterkunft Haus Favorita in Wien werden schliesslich reale Utopien entworfen, die Möglichkeitsräume für eine uneingeschränkte Gastfreundschaft aufspannen und architektonische Qualität für eine neue Form von Unterkünften für Geflüchtete schaffen. Das Programm des Entwurfs ergibt sich aus der Überlappung zweier radikal unterschiedlicher Konzepte – der Flucht von freiwilligen TouristInnen vor dem Alltag und der Suche von zur Flucht gezwungenen MigrantInnen nach einem Alltag. Standort Die Entwürfe werden Teil einer Publikation die als Forderungskatalog konkrete räumliche Leitlinien für ein Wohnen auf der Flucht einfordert. Fluchtraum Österreich 2017 - Lanchun Zeng and Ziliang Yu



2016 – Asylsuchende als Gäste in österreichischen Hotelbetrieben und Gastwirtschaften
- Inhalt
Der Fokus von Fluchtraum Österreich 2016 liegt auf der Unterbringung von Flüchtenden in österreichischen Gasthaus- und Hotelbetrieben und der oft konfliktreichen Beziehung zwischen Gast und GastgeberIn in derartigen Unterkünften. Untersucht wird, wie und unter welchen Voraussetzungen ein Wohnen in Unterkünften für Asylsuchende möglich wird und wie Quartiere zu Möglichkeitsräumen für soziales und politisches Handeln werden können. Die Entwürfe werden in einem Forderungskatalog publiziert, der die aktuell gültigen rechtlichen Mindeststandards für die Unterbringung in der Grundversorgung hinterfragt und räumliche Leitlinien für ein Wohnen auf der Flucht einfordert. Teil der Lehrveranstaltung ist eine 5-tägige Exkursion zu Unterkünften für AsylweberInnen im Burgenland, in Kärnten und in der Steiermark.
Fluchtraum Österreich 2016 - Exkursion


- Studierendenarbeiten
Fluchtraum Österreich 2016 - Enric Weiser

Fluchtraum Österreich 2016 - Johannes Puchleitner

Fluchtraum Österreich 2016 - Enric Weiser


- Symposium
Das Symposium „Ist Gast gleich Gast?“ im Architektur Haus Kärnten diskutierte die Unterbringung von Menschen auf der Flucht in ehemaligen und noch funktionierenden Tourismusinfrastrukturen in Österreich und die damit verbundenen Herausforderungen für (Asylwerber-)Gast und Gastgeber. Mit Input-Vorträgen von Peter Haslinger (Architekt und Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Leibniz Universität), Anny Knapp (Expertin für Asylrecht, asylkoordination Österreich), Raimund Pehm (Politik- und Erziehungswissenschafter, Tiroler Institut für Menschenrechte), Lea Soltau (Architekturstudentin, Fluchtraum Österreich 2015, TU Wien), Elisabeth Steiner (Betreiberin der Asylunterkunft Gasthof Bärenwirt), Stefan Wunderle (Tourismus Qualitätscoach, Region Bad Kleinkirchheim).

- Publikationen
„Fluchtraum Österreich – Von der Gastfreundschaft touristischer Beherbergungsbetriebe gegenüber Asylsuchenden“ von Nina Vaterie Kolowratnik und Johannes Pointl publiziert in der Zeitung Orte für Menschen des Österreichischen Pavillons bei der 15ten Architekturbiennale in Venedig „Reporting from the Front“ 2016.
„Hotels und Pensionen als Asylheime“ von Simon Hadler, ORF.at.

- Ausstellungen und Vorträge
Workshop und Konferenz "Living the Cooperative City"
Österreichisches Kulturforum, Berlin
in Zusammenarbeit mit Platform for European Architecture wonderland
3. - 15. Juli 2016
wonderland.cx

UN-HABITAT III Konferenz
Deutscher Pavillon in Quito, Ecuador
17. - 20. Oktober 2016
archplus.net

Vortragsreihe Open Mind: Mit und Von Geflüchteten Menschen
Verein Ingenieure ohne Grenzen im OPENmarx future.lab, Wien
03. November.2016
facebook.com

Roundtable Diskussion "Arriving to the Cooperative City: The Vienna Refugee Coalition"
Metropolitan Field Trip Vienna mit Platform for European Architecture wonderland im Packhaus, Wien
19. November, 2016
wonderland.cx

- Auszeichnungen
Excite-Forschungsförderung
Eine Initiative zur Förderung herausragender Vorhaben in Lehre und Forschung ausgeschrieben vom future.lab, Fakultät für Architektur und Raumplanung
Dezember 2016
futurelab.tuwien.ac.at


2015 – Räumliche Manifestationen gegenwärtiger Asylpolitik und reglementierte Zustände des Wartens
- Inhalt
Als ersten Schritt beschäftigt sich Fluchtraum Österreich 2015 mit der räumlichen Analyse von Grenzräumen und Zuständen der Flucht und des Wartens. Ziel ist die Erarbeitung von dringend notwendigen Entwurfsgrundlagen für die Gestaltung der gebauten Umwelt von Menschen auf der Flucht, die in Österreich bislang von Räumen der Ein- und Ausschließung geprägt ist. In der Lehrveranstaltung werden raumanalytische Kartographien und argumentative Essays erstellt, um zeitbasierte, rechtliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge, welche Räume der Flucht konstituieren, lesen und kritisch reflektieren zu lernen. Teil der Lehrveranstaltung ist eine 5-tägige Exkursion zu Unterkünften für AsylweberInnen in Kärnten, in Tirol und in der Steiermark, sowie dem Grenzübergang Brenner. Die Lehrveranstaltung findet in enger Zusammenarbeit mit der Asylkoordination Österreich statt.
Fluchtraum Österreich 2015 - Exkursion


- Kartographien und Essays
- Publikationen
Sowohl Kartographien als auch Essays wurden als Gastedition der Zeitschrift „asyl aktuell“ der asylkoordination österreich publiziert (Ausgabe Sommer 2015). Die Sonderausgabe Fluchtraum Österreich ist in folgenden Buchläden erhältlich:
Buchhandlung Walter König, Museumsquartier, Wien
Salon für Kunstbuch im 21er Haus, Wien
Buchhandlung Lia Wolf, Wien
Buchhandlung Werner, München
Buchhandlung Pro qm, Berlin
und online bei der asylkoordination österreich

future.lab-Magazin Nr. 5, TU Wien, Fakultät für Architektur und Raumplanung, future.lab (Hrsg.), Wien, Februar 2016.

ARCH+ 223 Spezialausgabe zum Wettbewerb „Planetary Urbanism – Critique of the Present in the Medium of Information Design, „Planetary Urbanism: The Transformative Power Of Cities“, Juli 2016.

- Wanderausstellung und Vorträge
Wanderausstellung
Architektur Haus Kärnten
St. Veiter Ring 10, Klagenfurt
Einzelausstellung und Symposium
8. April - 13. Mai 2016
www.architektur-kaernten.at

Stop and Go project space
Nordwestbahnhof, Ladestraße 1, 1200 Wien
Group Exhibition on Nodes of Transnational Mobility
3. Dezember 2015 - 27. Februar 2016
stopandgo-transition.net

afo – architekturforum oberösterreich
Herbert-Bayer-Platz 1, Linz
Gruppenausstellung zum Thema RAND
20. Oktober 2015 bis 29. Jänner 2016
www.afo.at

UNHCR Langer Tag der Flucht am Karlsplatz, Wien
und im Tonhof in Maria Saal, Kärnten
25. September 2015
www.langertagderflucht.at

Ausstellung in der Asylwerberunterkunft Gasthof Bärenwirt, Weitensfeld, Kärnten
30. August - 20. November 2015
www.architektur-kaernten.at

Vorträge
Stop and Go project space
International Conference on Nodes
of Transnational Mobility in Vienna
Nordwestbahnhof, Ladestraße 1, 1200 Wien
3. Dezember 2015
stopandgo-transition.net

Akademie der bildenden Künste Wien
Verbindungsräume - Transkulturelle Aspekte von Architektur
30. November 2015
www.akbild.ac.at

afo – architekturforum oberösterreich
Zentrale Randerscheinungen: ExpertInnengespräch zur Raumproduktion für Marginalisierte
27. Oktober 2015
www.afo.at

Österreichische Gesellschaft für Architektur
Internationale Tagung: Kritik oder Krise. Haltung, Verantwortung, Widerspruch in Architektur und Stadtplanung
16. bis 18. Oktober 2015
www.oegfa.at

Urbanize! Internationales Festival für Urbane Erkundungen, Wien: Do It Together. Perspektiven eines Kooperativen Urbanismus: Vortrag im Rahmen des Seminars "Displaced. Stadt, Raum und Flucht”
8. Oktober 2015
urbanize.at

paraflows.X (2015): Digital Migration
Symposium, Festival für Digitale Kunst und Kulturen
13. September 2015
www.paraflows.at

- Auszeichnungen
1. Preis
ARCH+ „Planetary Urbanism“
Fluchtraum Österreich wurde beim internationalen Wettbewerb „PLANETARY URBANISM – Kritik der Gegenwart im Medium des Information Design“ mit einem ersten Preis aus insgesamt 125 eingesandten Arbeiten aus 31 teilnehmenden Länder ausgezeichnet. Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden 2016 in der Zeitschrift ARCH+ veröffentlicht und im Kontext der UN-Habitat-Konferenz in Quito, Ecuador, ausgestellt.

Sonderpreis der Fakultät für Architektur und Raumplanung
Die Studierenden der Lehrveranstaltung Fluchtraum Österreich wurden von der Technischen Universität Wien mit einem Sonderpreis der Fakultät für Architektur und Raumplanung ausgezeichnet.


TEAM
- Projektleitung
Nina Valerie Kolowratnik, Johannes Pointl
- Projektassistenz
Lea Soltau, Osama Almughanni, Mario Weisböck, Enrico Weiser
- LehrveranstaltungsteilnehmerInnen
Osama Almughanni, Reem Alkaisy, Daniela Glasl, Tina Köppel, Marie-Therese Krejcik, Max Mariel, Alexander Masching, Brigit Miksch, Lisa Mittelberger, Argtim Osmani, Ini Peters, Mehtap Polat, Johannes Puchleitner, Roman Pulker, Daniel Röggla, Alina Schönhofer, Özlem Simsek, Martina Soi Gunelas, Lea Soltau, Jasmin Stadlhofer, Aloisia Tamer, Anton Wagner, Mario Weisböck, Enrico Weiser
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FLUCHTRAUM ÖSTERREICH
– ein Langzeitrechercheprojekt
über Architektur und Asyl
Fluchtraum Österreich 2016 - Johannes Puchleitner